Alpen-Quer 2011
17.07. - 23.07.2011
Der Plan war für dieses Jahr eine Route durch die Schweiz, von Lindau
bis nach Montreux. Die Wettervorhersage für den gesamten
Alpenbereich wurde jedoch von Tag zu Tag schlimmer und so entschlossen wir uns
kurzfristig für einen Rundkurs in einer Region, wo die Vorhersage wenigstens
einigermaßen erträglich war:
östlich vom Gardasee zwischen Rovereto, Bassano di Grappa, Feltre und Trento,
in dessen Zentrum Altopiano dei Sette Comuni liegt. Zugegeben, das ist kein
echter Alpencross, sondern ganz einfach eine 7-tägige Mountainbike-Tour unter
Alpencross-Bedingungen.
Ganz in der Nähe von Rovereto parkten wir unser Auto und starteten mit der Auffahrt zum Rifugio Lancia. Nach einer längeren Schie- bestrecke erreichten wir in dichtem Nebel den Dente Italiano (2220 m). Wir waren jetzt im Gebiet der Fronten des 1. Weltkrieges, wo sich Österreich-Ungarn und Italien drei lange Jahre gegenüberstanden. Der Gipfel des Dente Italiano wurde am 13.3.1918 mit 55 Tonnen Spreng- stoff in die Luft gejagt und 600-800 italienische Alpini getötet. Deren Knochenreste werden auch heute noch unter den Schuttmassen ge- funden. Nach einer kurzen Rast in dem wie ein Adlerhort in der Fels- wand klebenden Rifugio del Papa fuhren wir auf dem damals kühn in die steilen Felswände geschlagenen Nachschubweg hinunter zum Passo Pian delle Fugazze, wo wir ein Nachtquartier fanden.
Nach Besichtigung des Pasubio-Ossariums, ein riesiges Denkmal auf einem Soldatenfriedhof, fanden wir einen feinen Singletrail hinab zum Ponte Verde. Nach dem Passo Xomo galt es noch den Passo Borcola hinauf zu strampeln. Der Monte Maggio (1853 m) hielt uns jetzt eine Schiebestrecke von 600 Höhenmetern bereit. Der zum Teil extrem steile Weg entschädigte immer wieder mit fantastischen Ausblicken für die Schinderei. Auf einem sehr hoppeligen Weg ritten wir hinunter zum Passo Coe, wo wir nicht mehr weit hatten zum Fort Cherle, was es auch noch zu besichtigten galt. Ein einsam stehendes Hotel hat uns gerne als Gäste aufgenommen.
Über San Sebastiano, den Lago Di Lavarone, Slaghenaufi und dem Fort Verle
erreichten wir eine Forststrasse, die in das Gebiet des Cima Larici führt.
Im Rifugio Malga Larici quartierten wir uns ein. Wir waren die einzigen Gäste.
Für die einfachen Zimmer und einer primitiven Gemeinschaftsdusche wurden uns
satte 50 € abgeknöpft. Erst als mit einer Gasheizung und dem offenen Kamin
die ungemütliche Kälte im Gastraum vertrieben und ein passables Abendessen
serviert wurde, hat sich unser Ärger über diese Abzocke wieder etwas gelegt.
Der weitere Weg über die Militärstrassen von 1914-18 ist wieder ge- spickt mit
Tunnels, Schützengräben, Mauerresten und Hinterlassen- schaften aus diesen
gottlob vergangenen Zeiten. Im Rifugio Barricata gab es Nudeln. Danach folgte
eine Passstrasse zum 1000 m tiefer gelegenen Selva/Valsugana, die ihresgleichen
sucht. In unzähligen Kehren hat man an der senkrecht abfallenden Felswand
ständig das Tal der Brenta vor den Augen. Die Scheibenbremsen glühten fast
und der Rahmen war schwarz vom Abrieb der stinkenden Bremsbeläge. Flott fuhren
wir entlang der Brenta bis Cismon del Grappa. Bei Incino am Lago di Corlo
fanden wir ein hübsches Quartier. Der Tag war reichlich anspruchsvoll für
unser Material: ein Platten, eine Sonnenbrille und eine Mütze verloren und
Bremsbeläge mussten auch noch erneuert werden.
Unser Weg führte am Cismon flussaufwärts Richtung Passo Rolle, bis am Lago Dello Schener ein versteckter Weg abzweigt, der mit wunderschönen Ausblicken sich hoch über das Tal hinauf windet und letztlich am Rifugio Vederna endet. Mittagsrast. Bei der folgenden Abfahrt nach Imer pausierten wir an einem Wildbach, um die erhitzten Körper im eiskalten Wasser abzukühlen. Es folgte noch der Passo Gobbera, um dann in Canal S. Bovo ein Quartier zu nehmen.
Eine lange Auffahrt zum Passo del Brocon war der Prolog für diesen schönen Sonnentag. Auf einem anspruchsvollen Singletrail fuhren wir hinunter nach Castello Tesino. Vom Passo Forcella fanden wir einen wilden Trail hinunter zu einem Bach, an dessen Ufer wir Strigno erreichten. Nach der Mittagspause in Borgo stand der Radweg entlang der Brenta zum Lago Caldonazzo auf dem Programm. Viele MTB mit Nummernschildern am Lenker waren unterwegs - es war gerade ein offizielles Transalp-Rennen im Gange. An allen Kreuzungen und Einmündungen wurde der Verkehr angehalten und auf diese Weise konnten auch wir so richtig Gas geben und uns in die Rennfahrergilde einreihen. Schnell waren wir am See und genossen ein ausgiebiges Bad im warmen Wasser. In Vattaro fanden wir ein sehr preiswertes Hotel mit ausgezeichneter Verpflegung.
Der letzte Tag. Nur noch den Passo Sommo, um nach langer Abfahrt an unserem Parkplatz die Tour zu beenden. Bald nach dem Start begann es zu regnen, jetzt hat es uns also doch noch erwischt. Macht nichts, so kamen unsere Regensachen eben auch noch zu ihrem Einsatz. Bald war der Pass erreicht und nach flotter Abfahrt landeten wir punktgenau am Auto, wo wir uns der nassen Sachen entledigten und in trockenen Tüchern nach Hause fuhren.
Die Grobdaten der Tour: 7 Tage, 400km, 10500Hm.
Erwin
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